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Mann der Marken

Mann der Marken

Vincenzo Sollecito schreibt mit seiner Werbeagentur eine Erfolgsgeschichte. Mit 19 Jahren wird er sein eigener Chef. Seine Firma ist anders als andere – das zeigen auch die Toiletten.

Zwei Stühle. Ein Blatt Papier. Ein Bleistift. Viel Nachdenken. So beginnt die Arbeit von Vincenzo Sollecito. Am Fuße des Fichtelgebirges, in Goldkronach, ist der 30-jährige Chef der Werbeagentur Revocit zu Hause. Bereits im Alter von 19 Jahren beginnt die besondere Geschichte des Unternehmers. Im blutjungen Alter entschloss sich Sollecito seine eigene Firma zu gründen. „Ich wollte mein Hobby schon immer zum Beruf machen“, sagt er. Auf die Ausbildung zum Fachinformatiker folgte noch eine kaufmännische Ausbildung. Dann wurde es ernst. Sollecito gründete im Jahr 2006 Revocit – es sollte die richtige Entscheidung sein. „Ich hatte damals nichts zu verlieren“, sagt der junge Unternehmer. Heute ist er ein Gewinner. Über 400 Kunden, die meisten kommen aus dem Mittelstand, hat Revocit bereits betreut. In der Werbebranche hat sich der Name in der Region etabliert – und das mit einem kleinen, aber fest eingeschworenen Team. Acht Mitarbeiter gehören zu Revocit, im nächsten Jahr sollen allerdings weitere Stellen hinzukommen. Sollecito ist unterwegs in einem heißen Feld. Kaum etwas verändert sich so schnell wie Werbung. Der 30-Jährige weiß das. Er betont: „Werbung ist heute vielschichtiger denn je. Da kommt es nicht nur darauf an, was man sieht. Es kommt vielmehr darauf an, was das Gegenüber fühlt.“ Emotionen wecken. Das sei der Auftrag. „Dazu braucht es viel Kreativität“, sagt Sollecito, der aber eines unbedingt noch ergänzen möchte: „Es braucht ebenso kühlen Sachverstand.“ Der Jungunternehmer wirkt entspannt, wählt seine Worte wohl überlegt. Mit seiner Werbeagentur für Corporate Identity und Design ist er mittlerweile in ganz Deutschland vertreten. Spezialgebiet: Marketing für erzeugende Unternehmen und Dienstleistungen in der Industrie. Sollecito spricht von „Industriemarketing“ – und er blickt dabei auch nach Hochfranken. „Das ist ein heißer Markt. Es gibt viele Hidden Champions.“ Kunden hat der 30-Jährige zum Beispiel in Hof, Oberkotzau,  Schwarzenbach an der Saale, Münchberg oder Rugendorf. Sollecito schreibt viel auf, brainstormt mit seinem Auftraggeber, sammelt mit seinem jungen Team viele Ideen. Oft geht es darum, ein eher trockenes und wenig ansehnliches Produkt innovativ und marktverständlich darzustellen. Zum Beispiel Spezialgewebe, die später einmal zu einem Feuerwehranzug verarbeitet werden. Oder Tresordichtungen aus intumeszierendem Material. „Das ist wahrlich nicht immer einfach“ betont Sollecito. Hier muss die Kreativität einsetzen. Aber nicht nur das: Sollecito muss mit den Augen seines Auftraggebers sehen können. Dabei verfolgt er folgende Philosophie. „Wir arbeiten nicht für den Kunden. Das würde bedeuten, dass wir nur ausführendes Organ sind. Wir arbeiten mit ihm.“ Ständiger Austausch. Die Fähigkeit, sich in jemanden hineinversetzen zu können. Darauf komme es an. Am Ende stehen Broschüren, Kataloge, Webseiten, Apps und ganze Firmen-Erscheinungsbilder. Funktional – und optisch schön verpackt. Made in Goldkronach. Der Erfolg gibt Sollecito Recht. Revocit wächst. „Das ist eigentlich nicht unser primäres Ziel“, sagt der Marketing-Experte. Doch um den steigenden Kundenanforderungen gerecht zu werden, muss der Jungunternehmer ausbauen. 2014 hat er in Goldkronach eine sechsstellige Summe in ein neues Firmengebäude investiert. Weiße Mauern, glänzende Fließen, stilvolle Lampen. Repräsentativ soll es sein. „Wir wollen, dass sich unsere Kunden hier wohlfühlen“, sagt Sollecito. Der 30-Jährige präsentiert selbst die Toiletten – mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Künstler haben die Wände angesprüht. Es sieht nach Disco-Klo aus. Nur sauber. Was Sollecito damit symbolisieren will? „Ich will zeigen, dass wir anders sind als andere.“Diese Andersartigkeit hat Sollecito unter anderem einen Auftrag bei Audi eingebracht. Eine Web-App zur Ermittlung des Wahrnehmungstyps sollte Revocit für den Ingolstädter Autobauer gestalten und programmieren. „Das war eine Art Ritterschlag für uns“, sagt der 30-Jährige voller Stolz.

Obwohl Sollecito mit der Entwicklung seiner Werbeagentur sehr zufrieden ist, sagt er: „Es ist nicht immer alles eitel Sonnenschein. Manchmal gibt es auch Meinungsverschiedenheiten mit Kunden oder innerhalb des Teams.“ Ein offener

Umgang sei daher wichtig, um erfolgreich und zielgerichtet arbeiten zu können. Sollecito nimmt kein Blatt vor den Mund. Er sagt, was er denkt. Als Chef einer Werbeagentur hat er oft ziemlich viel Stress – organisatorischen Stress. „Es kann sein, dass in einer Woche schon mal 60 bis 70 Arbeitsstunden zusammenkommen.“ Doch er brennt für seinen Beruf. Für seine Leidenschaft. Noch Stunden könnte Sollecito über seinen Beruf philosophieren. Irgendwann spannt er den Bogen zu seiner Anfangszeit. Er spricht über unternehmerischen Ehrgeiz – und Mut. Ob es eine mutige Entscheidung war, mit 19 Jahren ein Unternehmen zu gründen? „Bei mir gar nicht so sehr. Ich war sehr jung und hatte nichts zu verlieren. Hätte ich nach zwei Jahren kein Land gesehen, wären mir immer noch alle Türen offen gestanden, einen spannenden Job in einem tollen Unternehmen zu finden.“Darüber muss Sollecito jetzt nicht mehr nachdenken. Revocit schreibt gute Zahlen. Heute ist der 30-Jährige heilfroh, dass er vor gut zehn Jahren den Weg in die Selbstständigkeit gegangen ist. Und er richtet interessante Worte an die nächste Generation:„Am Anfang wird es immer Kritiker geben. Als 19-Jähriger musste ich viel Hohn und Spott einstecken, als ich mich mit meinen Leistungen bei Firmen vorstellen wollte. Das muss man einfach wegstecken.“ Ganz kurz wird die Miene des jungen Unternehmers finster. „Dumme Kritik“ sei das teilweise gewesen, erinnert er sich. Aber das ist schnell wieder vergessen. Heute kann Vincenzo Sollecito darüber lachen.

Von Hannes Huttinger